Die Raumskulpturen Ralf Werners behandeln elementare Fragen räumlicher Perspektive. Ausgehend von der jeweiligen Ausstellungssituation entstehen skulpturale Interventionen, die immer an der vorgefundenen Architektur orientiert sind. So werden einzelne ausgewählte Merkmale oder Bestandteile des Raumes – Fenster, Wandverkleidung oder Deckenstruktur – von Grund auf rekonstruiert und dann verschoben, vorgeblendet, gespiegelt oder gedreht. Auf diese Weise erzielt der Künstler eine grundlegende Verwandlung der Situation, die sich als materialisierte »Raumbewegung« beschreiben lässt. Denn ebenso wie seine Raumskulpturen zur Klärung spezifischer räumlicher Eigenschaften beitragen, behaupten sie sich als freie Setzungen, nämlich als Verkörperung einer fiktiven Vorstellung, etwa eines Schwenks oder einer Rotation. Was den Koordinaten des Realraumes somit in präziser, minimalistischer Weise einverleibt wird, führt stets zu einer perspektivischen Dynamisierung in Rückverweis auf die Beschaffenheit des Ortes.

Neben Installationen im Innen- und Außenraum – darunter die »Pagode« in Heidenheim (2007) – hat Ralf Werner zuletzt eine Reihe von autonomen Wand- und Bodenarbeiten geschaffen, die ebenfalls perspektivische Verschiebungen zum Thema haben. Zu dieser Werkgruppe zählt etwa »Prism Splash«, eine Skulptur aus schwarzem Karton, die sich wie eine Schüttung aus parallel verschobenen Flächen über den Boden erstreckt. In »Urbino Overdrive«, einer Serie von Intarsienarbeiten, hat er hingegen geometrische Ornamente aus einem Chorgestühl in Urbino so in die furnierten Paneele eingelegt, dass sie den Eindruck einer räumlichen Beschleunigung vermitteln – und die schmalen Wandtafeln optisch aus dem Gleichgewicht bringen.

 


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