Die Arbeiten von Susanne Kutter – Videos, Objekte und Installationen – befinden sich in der heiklen Schwebe zwischen Wirklichkeit und Simulation, zwischen Normalität und Entfremdung. Ausgehend von scheinbar alltäglichen Situationen, von Räumen, Zeichen und Gebrauchsgegenständen, inszeniert die Künstlerin Prozesse der Verwandlung, die ebenso schmerzhaft wie lustvoll sind. Oft ist es dabei das private Interieur, das als verbürgter Schutzraum zum Schauplatz höchst irritierenden Ereignisse wird – Ereignisse, die mittels ihrer eigener Dynamik einen unaufhaltsamen, mitunter katastrophalen Verlauf nehmen, um die anfängliche Idylle einer nachhaltigen Erschütterung zu unterwerfen.

Dafür stehen zum Beispiel ihre Videoarbeiten »moving day« und »flooded home«, in denen das Mobiliar der Wohnräume, bedingt durch äußere Einflüsse, nach und nach seine Standfestigkeit bis hin zum völligen Kollaps verliert. Andere Aktionen spielen sich dagegen unmittelbar vor den Augen des Publikums ab, um am Ende wie ein eingefrorenes Standbild am Ort des Geschehens zu verbleiben – darunter ein zu Boden gestürzter Kronleuchter, ein Schriftzug aus abgebrannter Zündschnur oder ein Küchenschrank, hinter dessen lautstark aufgesprengten Türen eine festlich beleuchtete Bar zum Vorschein kommt, die nach dem Abgang der Gäste zum langsam welkenden Stillleben eines feuchtfröhlichen Abends wird. Aber auch die verführerische Welt des Warenkonsums offenbart bei Kutter die Brüchigkeit vordergründiger Glücksversprechen, indem sie die leuchtenden Logos und selbstredenden Embleme einschlägiger Bau- und Supermärkte (zwischen denen sie sich selbst tagtäglich bewegt) aus Pappe und bunten Folien nachgebaut hat.

Was auf den ersten Blick bei allen Arbeiten als Akt der Zerstörung und Zersetzung erscheint, ist für Susanne Kutter vielmehr ein probates Mittel, den vertrauten Sachverhalten soweit zuzusetzen, dass neue Bilder und Bedeutungen entstehen können. Denn so sehr die Dinge dabei ihre Ordnung im herkömmlichen Sinne verlieren, so sehr werden sie zu Requisiten in einem genau inszenierten Spiel, das immer wieder nach den Voraussetzungen – und Hindernissen – eines glücklichen Lebens fragt.


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