Möbelstücke sind Stichwortgeber und Speicherplätze, sie erzählen von ihrer Zeit, ihrem Milieu und gelegentlich auch von ihren (unbekannten) Besitzern. Diese beredte Stellvertreterfunktion macht sich Rita Kanne für ihre Objekte und Installationen zu eigen, indem sie auf das Inventar der bürgerlichen Alltagswelt zurückgreift. Ein Schrank oder eine Kommode, Umzugskartons ebenso wie Gegenstände aus dem häuslichen Bereich, aber auch anonyme Laienfotografien und anderes profanes Bildmaterial finden auf diese Weise Eingang in ihr plastisches Werk, das nach den Bedingungen kollektiver Erinnerung und kultureller Identitätsbildung fragt.

In diesem Sinne transportieren schon Titel wie »Fremdenzimmer« oder »Telemöbel« eine assoziative Dimension, die sich angesichts der Objekte, in Gestalt hybrider Anordnungen und Konstruktionen, nochmals verdichtet. Tatsächlich arbeitet Rita Kanne mit Strategien skulpturaler Verwandlung und Komprimierung, indem sie auf engstem Raum einen ständigen Wechsel von Maßstab, Material und Perspektive vollzieht. Auf diese Weise bekunden ihre Arbeiten eine Art Überhitzungszustand, bei dem Wort und Bild bzw. Fundstück und Modell einander durchdringen und motivisch kurzgeschlossen werden. Auch offerieren ihre Objekte und Installationen immer wieder semantische Brüche, dann zum Beispiel, wenn Rita Kanne die häuslichen Gegenstände mit Bildern der Außenwelt auflädt. So finden sich auf den Oberflächen etwa Fragmente südlicher Landschaften oder Sequenzen aus deutschen Kriminalfilmen – gerade so, als wären sie, bildhaften Ablagerungen ähnlich, durch den dauernden Fernsehkonsum an den Möbelstücken haften geblieben. Mehr noch vermitteln solche und andere Szenen etwas von der unerfüllten Sehnsucht nach Schönheit, Spannung und Glamour, denen das bürgerliche Interieur mit seinem sperrigen Zubehör und seiner fest gefügten Ordnung beharrlich im Wege steht.

 

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